select language: DE · EN EN · FR FR · ES ES · RU RU · AR AR · JA JA ·
Du bist hier salzinet »Blog »Artikel : Knautschzone Hirn, Komentar zu einem Taz-Artikel - 07.04.2011
Hauptmenü AF-I label

blog | Knautschzone Hirn, Komentar zu einem Taz-Artikel

# 87 || 07.04.2011 20:24:41

Knautschzone Hirn, Komentar zu einem Taz-Artikel

Der Taz-Artikel befasst sich mit dem Nutzen von Fahrradhelmen. Dazu mein Senf:

bevor man mit Statistiken um sich wirft sollte man deren Grundlage und Entstehungen kennen. In Bezug auf die Verletzungsmuster mit oder ohne Helm wird das ganze sehr interessant. Grundsätzlich werden nur sehr wenige Radunfälle aufgenommen und gelangen als solche in die polizeilichen Statistiken (von mir ist kein einziger Unfall aufgenommen). Nach mehrjähriger Tätigkeit im Rettungsdienst muss ich sagen, dass das Thema von vielen verfehlt wird, da es nicht immer gleich um Hirnschäden und Schädel-Hirn-Traumata geht. Der Typische Radler bleibt an irgendeiner Kante oder Autotür hängen und holt sich eine Platzwunde, z.B. auf der Stirn. Keine Polizei, kein Neurochirurg, keine Unfallstatistik, nur eine Narbe, die ein Helm sicher verhindert hätte. Es sterben nur ein Prozent an Kopfverletzungen, die anderen haben überwiegend innere Blutungen. Das sagt aber nichts über den Helm aus.

Meiner Berufserfahrung nach kam die Unfallforschung und Verkehrspolizei fast nur bei KFZ Beteiligung, aber die meisten Radunfälle sind eben der kleine Mist (angeblich 50% aller Radunfälle ohne Fremdbeteiligung). Der Arzt im Taz-Artikel hat vollkommen recht, dass eine Studie Ethisch nicht durchführbar ist, da man dafür gleiche Testbedingungen durch Probanden schaffen müsste. Beim Auto werden Unfallparameter viel genauer erfasst (Bremsweg, Geschwindigkeit usw.) und sind dadurch statistisch besser zu vergleichen. Meinem Beobachtung nach fahren Radfahrer mit Helm auch deutlich schneller bzw. tragen schnelle Radfahrer einen Helm. Insofern sind die Gruppen nicht mehr vergleichbar. Angeblich gibt es in Deutschland mehr Fahrräder als Autos, dass deutet auf den Problemfall "Sonntagsfahrer" hin. Ich würde behaupten, das "Sonntagsfarher" vollkommen andere Unfallrisiken als "Berufspendler" haben und häufiger verunfallen, da sie teilweise mit banalen Dingen wie Bremsen überfordert sind.

Man muss also Fragen, wo man sich selbst einordnet um dann evt. Statistiken zur Bewertung des Eigenen Unfallrisikos zu nutzen. Wer der Freiheit wegen ohne Helm fahren will sollte auch die Freiheit besitzen seinen Rettungswagen und die Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie selbst zu bezahlen. Sich auf den Helm Stellen - wie es ein anderer Kommentator fordert, ist der größte Schwachsinn der einem einfallen kann, um den Nutzen eines Helmes zu beweisen. Mal davon abgesehen, dass ich es bei zwei alten Helmen erfolgreich probierte (auf einem Specialized Decibel kann ich springen), ist es nicht Aufgabe eines Helms das Körpergewicht zu tragen sondern eine Knautschzone zu schaffen, die Energie durch Verformung absorbiert. Egal wie viel der Helm hält, irgendwann brechen die Halswirbel. Ein Helm kann nicht alles verhindern, aber in einem gewissen Spektrum Verletzungtsmuster beeinflussen. Meiner Erfahrung nach sind die Helme ganz gut, bevor die Schädelknochen brechen, (evtl. werden auch Impressionsfrakturen durch Kraftverteilung verhindert), auf jeden Fall habe ich schon einige Patienten mit gebrochenen oder eingedrückten Helmen ohne ernsthafte Verletzungen gehabt. Somit sind sie nicht in Verletzungsstatistiken aufgenommen worden und es ist davon auszugehen, das Ihnen der Helm nützlich war.


Version 3.5 | 07.02.12 12:27
| sitemapSitemap | webmasterWebmaster | kontaktKontakt | hilfeImpressum | drucken
© 2004-2012 by salzinet.com